Die Praxis der Achtsamkeit mit dem Körper ist eine alte, gut untersuchte Methode, um mehr Achtsamkeit in Dein Leben zu bringen. Sie bietet einen guten und leicht zugänglichen Einstieg in die Achtsamkeitspraxis und lässt sich hervorragend in Deinen Alltag integrieren. Sie wurde sogar schon in den alten buddhistischen Texten, den Lehrreden Buddhas, ausdrücklich als ein Weg zur Erleuchtung empfohlen. Sie bildet dort eine von vier Grundlagen der Achtsamkeit. Damit ist die Achtsamkeit mit dem Körper ein zentrales Fundament Deiner Achtsamkeitspraxis.
1. Dein Körper ist immer im gegenwärtigen Moment
Wenn Du Achtsamkeit mit Deinem Körper praktizierst, hilft Dir das von dem Kreisen um Vergangenheit und / oder Zukunft in das Hier und jetzt zu kommen. Dieser jetzt stattfinden Moment (= gegenwärtiger Moment) ist die einzige Zeitspanne, in der wir Einfluss auf die Welt nehmen können. Durch die Verbindung mit Deinem Körper kannst Du sehr viel leicht präsent werden und bleiben. Dein Körper bildet so eine Art Anker für Dich im Hier und Jetzt. Dieses Präsent-Sein ist eine Grundlage für ein lebendiges und erfülltes Leben.
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2. Dein Körper ist immer dabei
Für die Achtsamkeit mit dem Körper brauchst Du keine besondere Ausstattung wie ein Meditationskissen. Du hast Dein Untersuchungsobjekt, den Fokus für Deine Achtsamkeitspraxis immer griffbereit -Deinen Körper. Dies führt dazu, dass Achtsamkeit mit und durch den Körper sehr vielfältig ist. Für diese Praxis kannst Du Deine Sinne benutzen, den Körper bewußter wahrnehmen oder den Atem beobachten. Da haben Ausreden (ich brauche erst noch xy) erst gar keine Chance.
3. Achtsamkeit mit dem Körper bietet einen leichten Einstieg in die Meditation
Diese Praxis bietet für viele (nicht alle) Menschen einen leicht umzusetzenden Zugang zur Achtsamkeits- oder Meditationspraxis. Auf die ein oder andere Weise nehmen wir alle unseren Körper wahr. Diese Fähigkeit machen wir uns bei der Achtsamkeit mit dem Körper zu nutzte und verfeinern sie. Den Körper zu spüren ist nicht abgehoben, sondern für uns, mehr oder weniger, normal.
Durch das Wahrnehmen von Körperregionen, insbesonderer solcher die ein wenig vom Kopf entfernt sind, können wir leichter lernen aus den Gedanken auszusteigen und gegenwertig zu sein.
4. Achtsamkeit mit dem Körper funktioniert auch bei starkem Gedankenkreisen
Während eine stille Sitzmeditation bei besonders hartnäckigem Gedankenkreisen oder starken Gefühlen herausfordernd und vielleicht nur für geübte Meditierende umzusetzen ist, lässt sich Achtsamkeit mit dem Körper noch praktizieren.
Gerade die besonders große und starke Repräsentation der Hände in unserem Gehirn kannst Du Dir dabei zu nutzte machen. Nimm dazu einen Gegenstand (z.B. einen Tannenzapfen, es geht aber auch alles andere) in Deine Hände. Bewege ihn darin hin und her. Nimm den gegenstand dabei so genau wie möglich wahr. Wie fühlt er sich an? Hart, weich, kratzig, warm, kalt, schwer,…..?
Diese Fokussierung auf die Wahrnehmung Deiner Hände bringt Dich in den gegenwärtigen Moment, denn Du nimmst es jetzt gerade wahr. Damit steigst Du, zumindest für einen kurzen Moment, aus Deinem Gedankenkreisen oder den starken Gefühlen aus. Diese Technik der Achtsamkeit mit dem Körper wird aufgrund ihrer guten Wirksamkeit sogar als Notfallübung bei überwältigenden Gefühlen bzw. Flashbacks genutzt.
5. Körperbezogene Achtsamkeit bildet einen Übergang von der formellen Praxis in den Alltag
In der Achtsamkeits- und Meditationspraxis wird zwischen sogenannten formellen und informellen Übungen unterschieden. Die formellen Übungen kannst Du Dir als eine Art Bootcamp vorstellen. Hier trainierst Du Deine Meditationsfähigkeiten, indem Du Dir dafür ganz bewusst Zeit nimmst und oft auch einen bestimmten Ort (z.B. Dein Meditationskissen) dafür nutzt. Die formellen Praktiken haben einen festgelegten Ablauf und werden auf eine bestimmte, lang erprobte Weise ausgeübt. Die informelle Achtsamkeitspraxis findet dagegen in Deinem alltäglichen Leben statt. Hier wendest Du das Gelernte an und kannst kreativ mit den formellen Inhalten spielen. Dadurch kannst Du Dir immer wieder achtsame Momente in Deinem Alltag schaffen, ohne dafür extra Zeit oder einen bestimmten Ort zu brauchen. Die Achtsamkeit mit dem Körper ist dafür besonders gut geeignet.
Formelle Übungen für Achtsamkeit mit dem Körper sind der Bodyscan und die Gehmeditation (Achtsamkeit liegt hier auf den Füßen und dem bewussten Wahrnehmen des Untergrundes sowie des Gehprozesses). Beispiele für die informelle Übung mit Achtsamkeit auf dem Körper wären beim Sitzen einmal genau zu spüren, wo Dein Körper den Stuhl, den Tisch und den Boden berührt oder die Atembewegungen im Körper wahrnehmen. Dies lässt sich ohne zusätzlichen Aufwand und auch ohne das dies von außen sichtbar ist umsetzen.
6. Achtsamkeit mit dem Körper stärkt das Frühwarnsystem Deines Körpers
Je häufiger Du Achtsamkeit mit dem Körper praktizierst, desto besser ist Deine Verbindung zu Deinem Körper. Du schulst damit über die Zeit Deine Körperwahrnehmung. Diese verbesserte Wahrnehmung führt dazu, dass Du Impulse aus dem Köper und Veränderungen im Körper besser wahrnehmen kannst. Diese Nachrichten aus dem Körper geben Dir Hinweise darauf, ob gerade alle ok ist oder dein Körper Deine Aufmerksamkeit braucht. Je früher und besser Du sie mitbekommst, desto besser kannst Du Dich um Dich selbst kümmern. So kannst Du frühzeitig reagieren und ersparst Dir einiges an zusätzlichen Leid.
7. Achtsamkeit mit dem Körper wurde vom Buddha empfohlen
In der Satipatthāna Sutta wird der Körper von Buddha ganz explizit als eine der 4 Grundlagen der Achtsamkeit benannt. Er gibt dort verschiedene Anregungen zu dieser Praxis: den Atem beobachten, die Körperhaltungen wahrnehmen, den gesamten Körper spüren (ähnlich wie beim Bodyscan), die Körperhandlungen bzw. den Körper in Bewegung und die Vergänglichkeit des Körpers.
Die anderen Grundlagen der Achtsamkeit, laut Buddha, sind: Gefühle, Herzgeist und Geistesobjekte / Kategorien unserer Erfahrung.
![Im Hintergrund sieht mensch einen Sonnenaufgang über einem winterlichen Feld.
Darauf liegt ein Textfeld mit folgendem Text der Satipatthāna Sutta:
[1] Völlig achtsam atmet er ein, völlig achtsam atmet er aus.
[2] Wenn er lang einatmet, nimmt er bewusst wahr: ‚Ich atme lang ein.‘
oder wenn er lang ausatmet, nimmt er bewusst wahr: ‚Ich atme lang aus.‘.
Wenn er kurz einatmet, nimmt er bewusst wahr: ‚Ich atme kurz ein.‘
oder wenn er kurz ausatmet, nimmt er bewusst wahr: ‚Ich atme kurz aus.‘.
[3] Er übt sich so: ‚Ich atme ein und spüre dabei bewusst den ganzen Körper.‘,
er übt sich so: ‚Ich atme aus und spüre dabei bewusst den ganzen Körper.‘.
[4] Er übt sich so: ‚Ich atme ein und entspanne dabei den Körper.‘,
er übt sich so: ‚Ich atme aus und entspanne dabei den Körper.‘](https://lebendig-achtsam.de/wp-content/uploads/2024/10/Sattipathana-Sutta-Zitat-600-x-450-px.jpg)

Liebe Sybille
Das hast du sehr gut beschrieben und ich danke dir, für das, was ich aus deinen 7 Gründen noch dazulernen konnte.
Deine Arbeit ist so wichtig, gerade in den Zeiten wo uns das schnelle Leben immer mehr von unserem Gefühl und Sein ablenkt.
Liebe Petra,
Es freut mich, dass Du hier etwas für Dich mitnehmen konntest.
Ich sehe das wie Du, die Verbundenheit zu uns selbst und damit auch zu unseren Gefühlen ist essentiell für ein authentisches, lebendiges Leben.