Auch wenn die Begriffe Emotion, Gefühl und Stimmung nicht dasselbe bedeuten, so werden sie im allgemeinen Sprachgebrauch oft synonym verwendet. Dies kann zu Verwirrung und Missverständnissen in der Kommunikation führen. Für mehr Klarheit biete ich hier eine kurze Definition nach aktuellem Stand der Psychologie sowie eine erweiterte Erklärung der einzelnen Begriffe an. Dabei gehe ich auch auf die Unterschiede sowie mögliche Gemeinsamkeiten ein.
Emotionen
Die psychologische Definition des Begriffes Emotion lautet wie folgt:
„Komplexes Muster von Veränderungen, das physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensreaktionen als Antwort auf eine Situation, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen wurde, umfasst.“ (Gerrig, Psychologie 2018)
Emotionen setzten sich somit aus unterschiedlichen Komponenten zusammen und bilden sich aus dem vielschichtigen Zusammenspiel all dieser Faktoren. Dabei sind Emotionen kein statischer Zustand, sondern der permanenten Veränderung unterworfen. Eins dieser Elemente sind die Gefühle. Weitere Elemente von Emotionen sind:
- Die biochemischen (z.B. Ausschüttung von Hormonen) und muskulären Reaktionen des Körpers (z.B. An- und Entspannung), die Aktivierung des Nervensystems
- wie wir mit unserem Geist auf eine Situation reagieren, also welche Gedanken und Assoziationen uns dazu in den Sinn kommen, wie wir Dinge bewerten, usw.
- wie wir auf die Situation reagieren. D.h. unsere Verhaltensmuster und -automatismen, aber auch wenn wir neue Verhaltensweise anwenden oder eine bewusste Pause vor der Reaktion einfügen.
Diese unterschiedlichen Teile zeigen auf, in welchen Bereichen wir einen Einfluss auf unsere Emotionen nehmen können. Verändern können wir z.B. wie wir Situationen bewerten oder wie wir auf diese reagieren. Die unmittelbare muskuläre Anspannung lässt sich dagegen nicht direkt beeinflussen. Hier können wir nur indirekt über z.B. eine veränderte Bewertung von typischen Situationen einwirken. Dies braucht allerding Zeit und Übung.
Nach Paul Ekman gibt es 7 Basis-Emotionen, die sich durch universelle Gesichtsausdrücke auszeichnen und in allen Kulturen verstanden werden:
Freude, Überraschung, Ärger, Ekel, Furcht, Trauer, Verachtung
Diese Basis-Emotionen bilden in verschiedenen Intensitätsabstufungen und Kombinationen miteinander bzw. in Kombination mit dem kulturellen Kontext alle weiteren Emotionen. Kulturelle mitgeprägte Emotionen sind beispielsweise Schuld oder Scham. Ein Beispiel für die unterschiedliche Emotionsabstufung gebe ich Dir im folgenden für Ärger. Je nach der empfundenen Intensität würdest Du ihn in einem Bereich des folgenden Spektrums anordnen und dies entsprechend ausdrücken:
Irritation -> Ungestimmtheit -> Gereiztheit -> Frustration -> Verärgerung -> Wut -> Wutanfall
Auf der Website des Emotionsatlasses kannst Du Dich noch intensiver mit diesem Thema auseinandersetzten.
Zum achtsamen Umgang mit (herausfordernden) Emotionen findest Du hier bald weitere hilfreiche Informationen.
Gefühle
Der Gefühlsbegriff beschreibt, im Unterschied zum Begriff der Emotion, das rein subjektive, persönliche Erleben und Empfinden eines Menschen. Gefühle lassen sich nicht von außen erfassen.
„Aus heutiger psychologischer Sicht sind Gefühle die Erlebnisqualität (Erleben) und somit die subjektiven Komponenten von Emotionen. Man kann sie nicht vollständig bei anderen beobachten, sondern nur durch Befragung (Interview, Fragebogen) und Selbstbericht erfassen.“ (Dorsch, Lexikon der Psychologie, abgerufen 02/25)
Die Gefühle sind ein Teil des gesamt Orchesters der Emotionen und sind nur aus Dir selbst heraus verständlich. Dies bedeutet auch Du bist alleinige_r Beobachter_in und kein anderer Mensch kann Dir Deine Gefühle abstreiten. Das geht per Definition nicht.
Stimmung
Eine Stimmung ist ein länger andauernder emotionaler Zustand, der den Hintergrund des menschlichen Erlebens bildet. Im Unterschied zu Emotionen haben Stimmungen eine geringere Intensität und sind vom Charakter her diffuser. Sie hat meist keinen klar benennbaren Auslöser und / oder Ende. Eine Stimmung wird entweder als angenehm oder unangenehm empfunden und kann darüber hinaus noch andere Qualitäten wie z.B. von Freude oder Trauer enthalten.
Die zugrundeliegende Stimmung färbt die menschliche Wahrnehmung. Sie hat also einen Einfluss darauf, wie wir die Welt sehen. So wirkt die Welt oft grau und farblos, wenn es uns persönlich schlecht geht. Es lässt sich also sagen, dass die Stimmung eine Art „körperlich-psychische Gesammtverfasssung“ beschreibt und diese erlebbar macht.
Unsere Art zu leben hat, meist mittel- bis langfristig, einen Einfluss auf unsere Stimmung. So führen Studien zufolge Meditation, Dankbarkeitsrituale, Bewegung an der frischen Luft oder gesunde Ernährung zu einer Verbesserung der erlebten Stimmung. Auch unsere Umgebung und die Menschen mit denen wir uns umgeben nimmt einen Einfluss auf unsere Stimmung -sowohl positiv als auch negativ. Diese einzelnen Faktoren wirken auf unterschiedliche Weise auf unseren Körper, unser Nervensystem und unseren Geist ein und führen so zu einer Veränderung der Stimmung. Dies lässt sich gezielt nutzen: Wenn Du weißt, welche Aspekte Dir guttun und vielleicht in letzte Zeit zu kurz kamen, kannst Du diese gezielt einbauen, um Deine Stimmung zu beeinflussen.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die einzelnen Begriffe unterschiedliche Aspekte des menschlichen körperlich-psychischen Erlebens beschreiben. Sie bieten eine Möglichkeit der Beschreibung des eigenen Zustands und sorgen so für Kommunikation, Verbindung und Veränderung.
Als vereinfachtes Unterscheidungsmodell lässt sich der Malkasten mit Wasserfarben heranziehen. Die Primärfarben entsprechen dabei den Basis-Emotionen, die Gefühle entsprechen den weiteren Farben, die durch das Denken beim Malen entstehen und ein Aquarellgemälde den Stimmungen.
